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Exkursion: Lernpsychologie
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Die Fähigkeit, sein Verhalten aufgrund individueller
Erfahrungen zu ändern, nennt man Lernen. Lebewesen erhöhen damit ihre Chance, in
einer sich verändernden Umwelt zu überleben. Voraussetzung für Lernen ist ein
Gedächtnis, in dem die Erfahrungen gespeichert werden können.
Es gibt viele verschiedene Arten, etwas zu lernen. Ich möchte
hier aber nur die Vorgänge aufführen, die auch für Norns relevant
sind.
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Ein Organsimus
ist durch sein Verhalten an die Umgebung, in der er lebt, angepaßt. Dabei
gilt, daß diejenigen Organismen, die besser an ihre Umwelt angepaßt
sind, einen Fortpflanzungsvorteil haben, sie werden also mehr Nachkommen hinterlassen. Da
sich Verhalten, im Gegensatz zu körperlichen Eigenschaften, leicht ändern
läßt, kann man sich durch Ändern des Verhaltens schnell an veränderte
Umweltbedingungen anpassen.
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Äußere
Veränderung und inneres (energetisches) Gleichgewicht
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Ein
Organismus ist nun Schwankungen der äußeren Bedingungen ausgesetzt.
Obwohl
z.B. Nahrung nicht immer in gleichen Mengen und Zusammensetzungen verfügbar
ist, trotz unregelmäßiger Zufuhr und ständigem Energieverbrauchs
durch den Körper muß es Faktoren geben, die dem Organsismus helfen,
den energetischen Zustand einigermaßen stabil oder konstant zu halten. Konstanz
ist also wichtig, um in einer variablen Umwelt einen inneren Gleichgewichtzustand
zu halten. Um Konstanz halten zu können, ist es wichtig für den
Organismus, Informationen über seinen inneren Zustand zu haben, um dann
angemessen auf einen Umweltreiz reagieren zu können. Interessant
ist dabei, daß ein bestimmter Reiz, der zu unterschiedlichen Zeiten gegeben
wird, nicht immer diesselbe Reaktion hervorruft. Manchmal reicht ein schwacher
Reiz aus, um eine heftige Reaktion hervorzurufen, zu anderen Zeiten bleiben
selbst starke Reize ineffektiv.
Beispiel
Nahrungsaufnahme: Bei starkem Hunger reicht auch schon ein weniger attraktives
Nahrungsmittel aus, ist kein Hunger da, wird auch bei einem sehr wohlschmeckenden
Nahrungsmittel das Essen überhaupt nicht oder nur zögerlich aufgenommen.
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Die
Reaktion auf einen inneren Zustand kann man sich folgendermaßen vorstellen: Im
Organsimus ist ein bestimmter, angepaßter Energiezustand vorgegeben (Sollwert).
Ein Meßfühler stellt den tatsächlich vorhandenen Energiezustand
(Istwert) fest und vergleicht ihn mit dem Sollwert. Im Falle einer Differenz
wird ein Korrekturmachanismus in Gang gesetzt, welcher den Istwert beeinflußt,
so daß er im Endeffektmöglichst genau mit dem Sollwert übereinstimmt. Beim
Beispiel der Nahrungsaufnahme bedeutet dies: es gibt für den Organismus
einen Idealwert. Die Änderung des inneren Zustandes wird
vom Gehirn wahrgenommen (hier Hunger). Es baut sich ein Trieb auf, das
für diese Situation angepaßte Verhalten durchzuführen (hier:
essen). Der Trieb löst ein Suchverhalten nach einem geeigneten Reiz aus (Suche
nach Nahrungsmitteln) , wird dieser gefunden, kommt es zur Endhandlung (Essen),
bis der Istwert mit dem Sollwert übereinstimmt.
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Kontrolle
des Wohlbefindens
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Darüber
hinaus
gibt es noch eine weitere Beobachtung: Ratten mit einem Vitaminmangel sind
in der Lage, unter verschiedener Nahrung das auszusuchen, das das fehlende Vitamin
enthält, obwohl sie das in der Nahrung nicht schmecken können. Sie
sind offensichtlich in der Lage, zu beurteilen und zu lernen, nach welchem Futter
es ihnen besser geht. Außerdem probieren Tiere in einem Mangelzustand
ein größeres Nahrungssprektrum aus, und lernen offensichtlich sehr
schnell, die für sie geeinete Nahrung auszuwählen. Die Untersuchungen
sprechen dafür, daß dieses Lernen nicht auf der Wahrnehmung bestimmter
Mangelerscheinungen beruht, sondern auf der allgemeinen Wahrnehmung von gut/schlecht fühlen.
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Unter
Konditionierung versteht man, daß ein Organismus lernt, auf einen bestimmten
Reiz eine ganz bestimmte Reaktion bzw. Handlung folgen zu lassen.. Diese
Handlung kann zufällig sein und wird dann in das Verhaltensmuster aufgenommen, es kann aber auch eine Handlung sein, die bereits im Verhaltensmuster
vorhanden ist. Wenn dann auf eine Handlung eine Verstärkung (Belohnung,
angenehmer Reiz))
folgt, lernt das Individuum, daß es positiv ist, diese Handlung auszuführen
und wird sie auch in Zukunft ausführen. Wenn hingegen auf eine Handlung
eine Bestrafung (unangenehmer Reiz) folgt, wird das Individuum diese Handlung in Zukunft versuchen
zu vermeiden. Für den Lernvorgang kann eine einmalige Belohnung oder
Bestrafung ausreichen, es kann aber auch eine Wiederholung nötig sein.
Die Motivation,
das erste Mal eine Handlung, die dann im weiteren Verlauf gelernt wird, auszuführen,
kann sein:
- angeborene Neugierde
( beim Menschen, höheren Tieren und auch bei Norns ist Neugierde ein entscheidender
Antrieb, viele Dinge auszuprobieren)
- der Versuch, eine
unangenehme Situation zu beenden (Eingesperrt sein, Hunger, Gefahr...)
- Zufall
Beispiele:
- Eine Katze wird in einen hohen Käfig
gesperrt, der nur durch einen Hebelmechanismus von innen geöffnet werden kann.
Zunächst probiert das Tier, durch Klettern, Springen oder Kratzen herauszukommen.
Hat die Katze dagegen einmal den Hebel berührt und damit die Tür geöffnet, so
treten die alten Verhaltensweisen bei nachfolgenden Versuchen in ähnlichen
Käfigen weitgehend zugunsten der neuen Verhaltensweise zurück. Das Tier hat am
Effekt gelernt.
- Ein Kind hat sehr
sorgfältig seine Hausaufgaben gemacht. Er wird abgefragt und gelobt,
weil er alle Fragen richtig beantwortet hat. Das Lob über seine
Leistung dient als Verstärker, sie erhöht die Wahrscheinlichkeit,
daß der Junge auch in Zukunft mit Eifer lernen wird.
- Bei einer Dressur
möchte der Dompteur, daß ein Pferd über ein Hindernis
springt. Er wird das Pferd zunächst darüberführen und
diese Handlung mit Futter belohnen. Im Laufe der Zeit wird das Pferd
durch diese Verstärkung lernen, selbständig über das
Hindernis zu springen.
- Ein Baby erhält
eine Rassel und schüttelt sie (aus Versehen oder aus Neugierde).
Die Rssel macht ein Geräusch, das dem Kind gefällt, es schüttelt
sie wieder und immer heftiger (das Geräusch der Rassel dient als
Verstärker und verfestigt dieVerhaltensweise des Schüttelns)
- Jemand langt eine
Brennnesel an und verbrennt sich. Er wird in Zukunft das Anfassen von
Brennesseln vermeiden.
- Jemand hat Hunger
und fühlt sich deshalb unwohl. Durch die Zufuhr von Nahrung fühlt
er sich besser. Die Verstärkung ist hier die Abnahme des Hungers.
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Soziales
Lernen (Lernen durch Beobachtung)
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Durch Beobachtung
lassen sich neue Reaktionen
lernen
oder auch alte Reaktionen modifizieren, wenn gleichzeitig die
verstärkenden Konsequenzen
wahrgenommen werden . Dabei ist es nicht notwendig, daß der Beobachter die
Reaktion, die er imitieren wird,
während der Zeit seiner Beobachtung selbst ausführt. Um das
Verhalten dauerhaft zu lernen, muß der Imitierende die Handung jedoch
selber
durchführen und die Verstärkung erfahren.
Beispiel:
- Affen waschen
schmutzige Kartoffeln im Meer. Dieses Verhalten wird dadurch verstärkt,
daß sie die Kartoffeln sauber essen können und sie gleichzeitig
besser schmecken, weil sie salzig sind. Affenkinder beobachten nun diese
Verhaltensweise und imitieren sie. Dabei erfahren sie ebenfalls diese
Verstärkung, wodurch das Kartoffelwaschen gelernt wird.
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Vergessen
wird definiert als ein Informationsverlust nach erfolgtem Lernen.
- Es wird um so mehr vergessen, je größer der
zeitliche Abstand zwischen Einspeicherung und Erinnerung ist.
- Sinnarmes, unwichtiges und umfangreiches
Material wird eher vergessen als sinnvolles und wichtiges.
- Art und Anzahl der auf einen Lernvorgang
folgenden Eindrücke beeinflussen das Ausmaß des Vergessens
Eine vollständige Erklärung für das Zustandekommen des Vergessens liegt bis
heute nicht vor.
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Literaturquellen: Barbara König:
"Motivation, Emotion, Intention - Biologische Modifikationan jedes Verhaltens"
aus dem 7. Würzburger Symposium: Sucht und Sehnsucht, Klett Verlag 1995 Guy
R. Lefrancois: Psyvhologie des Lernens, Springer Verlag 1994
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